Praxis für Psychotherapie

Erfahrungsorientierte Psychotherapie & Gesprächsgruppen

Nichts hat einen stärkeren psychischen Einfluß

Refraiming

"Nichts hat einen stärkeren psychischen Einfluss auf die Kinder als das ungelebte Leben der Eltern." C.G. Jung

Ein Satz, der für alle Eltern-Kind-Beziehungen gilt. Gerade aber in der Kriegsenkelgeneration findet er besondere Gültigkeit. Und das gleich auf zwei Ebenen:
1. Weil die traumatisierten Eltern so wichtige stärkende und ressourcen-bildende Elemente des Lebens nicht vorleben konnten, wie Lebensfreude, Lebendigkeit, Genuss, Vertrauen ins Leben, Vertrauen in Mitmenschen, haben ihre Kinder dies nicht hinreichend lernen können. Etwas, was ziemlich tragisch ist, denn die Zeit der Kindheit ist eigentlich die Zeit der Unbefangenheit.
Wann, wenn nicht dort, will man sie erfahren?
2. Darüber hinaus kann ungelebtes Leben der Eltern aber auch zu Projektionen führen, und zwar in Form von Anforderungen und Aufgaben an die Kinder, die meist gar nicht offen formuliert, sondern eher versteckt transportiert werden:
Du sollst es einmal besser haben. Du musst studieren (weil ich es nicht konnte). Kurz: Du musst erreichen, was mir versagt war.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass es oft viel zähe und langwierige Arbeit bedeuten kann, sich von diesen beiden "Päckchen" frei zu machen...

Bin ich eigentlich auch Kriegsenkel?

kriegsenkel

Da ich immer wieder gefragt werde: Man kann die Altersspanne der Kriegsenkel nicht so ganz pauschal festlegen.
Sie bewegt sich in etwa in den Jahrgängen zwischen 1960 - 80. Es kann jemand mit Jahrgang vor 1960 mit sehr jungen Eltern ebenso Kriegsenkel sein, wie jemand mit Jahrgang nach 1980 mit vergleichsweise späten Eltern.

Viel hilfreicher sind dagegen andere Merkmale:
Sind Mutter und/oder Vater im Krieg noch Kinder oder Jugendliche gewesen?
Haben sie und ihre Familie Flucht, Vertreibung, Gewalt erlebt?
Konnten die traumatischen Erlebnisse des Krieges in der Familie nicht aufgearbeitet werden?
Ist das Trauma der Eltern und Großeltern in der eigenen Kindheit (vielleicht auch nur latent) spürbar geworden, hat es die Kindheit beeinträchtigt?

Anhand dieses Fragenkatalogs können Sie besser beurteilen, ob Sie sich der Gruppe der Kriegsenkel zugehörig fühlen.

Eigentlich bin ich ganz anders...

Selbstfürsorge

"Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu" (Ödön v. Horvath)

So sein, wie man eigentlich ist, nicht wie die anderen es gerne hätten...
In der Kindheit die Eltern, die Großeltern, die Lehrer, später die Freunde, der Lebenspartner, die Arbeitswelt - wo wird man einfach geliebt für das, was man ist? Ohne Bedingungen, ohne Ansprüche?
Und wer wäre man wirklich, wenn man die ganzen Verformungen wegnähme, die wir unser ganzes Leben lang erfahren haben? Was käme unter all den Schichten von Farbe und Modellierung zu Tage?
Ein buntes Gemälde... oder eine wilde Landschaft... eine zarte Blume oder ein ungezähmtes Tier?
Wer bist du wirklich?

Seien Sie geduldig mit sich!

Persönliches_Wachstum

Wie häufig erlebe ich, dass Klienten sehr ungeduldig mit sich selber sind.
Die Not ist groß, manchmal ist der Ehrgeiz noch größer, und Wachstum und Veränderung gehen nur in winzig kleinen Schritten voran. Ganz oft fühlt es sich an wie Stagnieren. Man scheint immer wieder an den gleichen Mustern zu scheitern, hängt in den immer-gleichen Gefühlsschlaufen fest und nichts scheint sich zu bewegen.
Als hätte man nicht schon genug andere Themen am Laufen, wird auch das Gefühl des Versagens davon gleich noch konstant weiter befeuert.

Seelische Veränderungsprozesse aber SIND langsam!
Das ist nichts, was meine Klienten gerne hören.
Keiner. Aber es ist einfach eine Tatsache.
Natürlich kennen wir vielleicht alle diese Momente, wo es die großen Shifts in der Therapie gibt, wo sich mit einem Ruck, alles verschiebt und neu anfühlt.
Aber erstens müssen auch diese Verschiebungen danach langfristig vom Körper integriert werden und wirklich im Alltag ankommen und zweitens sind es doch meist eher die vielen kleinen Veränderungen, die ganz unauffällig passieren und die sich in Ruhe und Kontinuität einstellen.

Seien Sie gnädig mit sich, seien Sie geduldig und liebevoll.
Und versuchen Sie, sich immer wieder dieses Bild hier oben vor Augen zu führen. Drucken Sie es aus und kleben es sich an den Spiegel. Oder an den Monitor. Oder machen es zum Hintergrundbild auf Ihrem Smartphone.
Versuchen Sie sich auf Ihr beständig gewachsenes Wurzelwerk zu besinnen!
Wenn der Schmerz der langsamen Veränderung gerade wieder all zu stark ist, fragen Sie sich:
Wo war ich letztes Jahr um diese Zeit? Oder vor zwei Jahren. Oder vor jenem einschneidenden Ereignis, das mein Leben verändert hat, oder welchen persönlichen Marker Sie sich auch immer setzen mögen.
Wo waren Sie da? Was hat sich seitdem verändert? Was haben Sie gewonnen?

Klientenzentrierte Körperpsychotherapie = Focusing

Körperpsychotherapie

Es ist eine zentrale Tatsache: Wir erleben die Welt so, wie wir unseren Körper erleben.
Ein enger, starrer, kalter Körper kann die Welt nicht als weiten, lichten, warmen und sicheren Ort wahrnehmen.
Dies ist der Grund, warum ich meinen Weg zur Körperpsychotherapie gefunden habe.

Alles rationale Begreifen, alles intellektuelle Verstehen hilft uns nicht auch nur einen Schritt vorwärts in Richtung Veränderung oder Lösung, wenn wir uns trotzdem weiterhin gefangen, starr und unlebendig fühlen.

Wir sollten wieder lernen, unseren Körper "zu lesen", achtsam Regungen wahrzunehmen, vage Gefühle aufzunehmen, um ihn aus diesem Gefängnis zu befreien. Denn er spricht die ganze Zeit mit uns.
Aber wenn wir nicht zuhören, muss er immer lauter werden und wenn alles nichts hilft, irgendwann schreien: Dies ist der Moment, wo wir schließlich in der Krankheit angekommen sind, egal ob seelisch oder körperlich.

Ein Gefühl, das vor sich hin rumort, muss nicht laut werden und nicht anfangen wehzutun, wenn es rechtzeitig wahrgenommen und gewürdigt wird.

Bei mir können Sie lernen, in Kontakt zu kommen, mit dem, was wirklich in Ihnen los ist.
Und dies ist überhaupt nicht beängstigend, es wird keine Büchse der Pandora geöffnet und es wird Sie nicht überwältigen.
Sondern es wird sich richtig und stimmig anfühlen: Dinge ruckeln sich zurecht und mit einem Male kann man ein Stück weit freier atmen. Dies alles ist keine bewegungsorientierte, aktionsgeladene Arbeit mit dem Körper, sondern eine stille, achtsame. Jeder kann sie lernen und sie nach einer Weile mit sich nach Hause nehmen und ohne meine Begleitung einsetzen.
Denn das Ziel von Therapie sollte immer sein, dass der Klient hin zu Selbstregulation und Unabhängigkeit kommt und nicht auf unbestimmte Zeit vom Therapeuten abhängig ist.

Wann dies soweit ist, bestimmen Sie.

Spiegeleier & Refraiming

Refraiming

Was haben Spiegeleier und Linsen mit Refraiming zu tun? - Ein ganz persönliches Beispiel:
Vor zwei Jahren hat mein Körper beschlossen, mich mit einer ziemlich massiven Glutenunverträglichkeit zu konfrontieren. Für mich als leidenschaftliche Brot- und Kuchenesserin (und -bäckerin!) ein geradezu existentielles Drama, was meine Lebensqualität extrem einschränkt. Es hat mich herausgefordert, meine Essgewohnheiten völlig neu zu definieren.
Und auch wenn es ein anfängliches Jammern gab (und manchmal anfallsweise auch immer noch mal gibt), kann ich es inzwischen als Bereicherung meines Lebens sehen.
Lektion gelernt.
Gerade mein Frühstück bereite ich nun mit viel mehr Abwechslung, Zeit und Fantasie zu. Nicht mehr eine Scheibe Käse auf eine schönes Stück Körnerbrot geworfen und gut ist, sondern eine Pfanne mit Spiegeleiern und (am Wochenende vorgekochten) Linsen und frischem Gemüse. Oder eine Schale mit Amaranthbrei, Obst und Naturjoghurt...
Was dort passiert ist, nennt man Refraiming. Dinge in einen neuen Rahmen setzen. Für einen zunächst negativ bewerteten Umstand eine neue positivere Sichtweise finden und formulieren.
Das ist eine inzwischen ziemlich gängige Vorgehensweise in der Psychotherapie.
Ich halte es allerdings für absolut unabdingbar, dass der Impuls dazu sich im Klienten findet und nicht vom Therapeuten vorgegeben wird.
Wenn ich aber ein Fünkchen davon bei meinem Klienten aufblitzen sehe, nehme ich es gerne auf. Dann kann die Frage "Was gewinne ich daraus für mein Leben?" einen echten kleinen Meilenstein ausmachen.